Ich komme aus eine Familie, in der sich traditionell männliche Mitglieder oft für eine Karriere beim Militär entschieden haben. Das hat entsprechend nachhaltig meinen Kleidungsstil und meineni Geschmack beeinflusst. Seitdem ich mich intensiv mit Mode beschäftige, “tauchen” bewusst und unterbewusst bestimmte Elemente bzw. ganze Kleidungsstücke in meinen Entwürfen auf, die an Uniformen erinnern.

Beim Durchsehen meiner Garderobe habe ich insgesamt 14 Kleidungsstücke in der Farbe Khaki oder khaki-ähnlichen Farbtönen gezählt. Es ist also an der Zeit, sich mit dem Thema “Military Look” intensiver auseinanderzusetzen.

  1. Historie

    1.1 Ursprung der Uniform

Gehen wir geschichtlich ein Stück zurück und werfen einen Blick darauf, wie es dazu kam, dass die Uniformierung für Menschen wichtig wurde.

Menschen gehören auf diesem Planeten zu einer der aggressivsten Spezies überhaupt: Wenn die Urmenschen zunächst nur zum Überleben (Erhalt der Gattung durch Ernährung)  und zum Schutz (genetischer Selbsterhaltungstrieb) – genauso wie im Tierreich – getötet haben, änderte sich dieses Verhalten mit der weiteren Entwicklung der menschlichen Zivilisation. Mittlerweile sind die Menschen die einzige Spezies auf diesem Planeten, die aus  niederen Beweggründen tötet, wie etwa Gier nach Macht oder Ressourcen bzw. zur Befriedigung eigener Gelüste.

Als die Familien-Klans noch klein waren und ihre Angehörigen und Jagdgebiete gegen benachbarte Stämme verteidigen mussten, konnten sie Gegner und Eindringlinge schnell identifizieren. Mit der Entstehung erster Siedlungen und Städte wurde es jedoch immer schwieriger, den Gegner bei einer Auseinandersetzung zu erkennen; also musste etwas erschaffen werden, damit während einer Schlacht die eigenen Mitstreiter von den Gegnern unterschieden werden konnten.

Nach Meinung mancher Militärhistoriker wird der Ursprung der Militäruniform als solches den Spartanern in der Antike (500 v. Chr.) zugeschrieben. Die “Kriegsbekleidung” unterschied sich nur minimal von alltäglichen Kleidungsstücken, die wie alles andere in Sparta streng reglementiert waren.

Neben dem Helm und dem Brustharnisch trug ein Spartaner in der Schlacht eine Art Mantel, genannt Chlamys (später auch bei den Griechen und Römern eingesetzt)  in roter Farbe. Die Farbe rot war bewusst gewählt: War der betreffende Kämpfer verwundet und blutete, sollten Feinde nicht ermutigt, bzw. die eigenen Kameraden nicht entmutigt werden.

(Nathan Joseph: Uniforms and Nonuniforms. Communication Through Clothing. Greenwood Press, New York 1986, ISBN 0-313-25195-9.)

 

Fast zeitgleich wurde die Leibgarde des persischen Königs Dareios I., die sogenannten “Unsterblichen”, im Palast von Susa deutlich uniformiert.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Dareios_I.)

Es folgten Römische Legionen und die Janitscharen im Osmanischen Reich im 14. Jahrhundert. Sie stellten die Leibwache des Sultans und erreichten höchste Positionen im osmanischen Staatswesen.

1.2 Entwicklung

Im Mittelalter verzichtete man jedoch in Europa auf Uniformen aus Kostengründen und zeigte die jeweilige Zugehörigkeit zu einem Heer durch Standarten und/oder Flaggen. Mitte des 15. Jahrhunderts (Renaissance) setzte sich die Abbildung eines Kreuzes auf der Kleidung und Ausrüstung durch (Stichwort “Kreuzzüge”): die Engländer nähten sich auf Brust und Rücken ein rotes Kreuz, Schweizer und Franzosen ein weißes Kreuz und die Soldaten des germanischen Reiches ein “Andreaskreuz” oder “Burgunder Kreuz”. Auch auf der Ausrüstung, wie z. B. dem Schutzschild, wurden die Kreuze in entsprechender Farbe aufgemalt.

„Malteserkreuz“

„Andreaskreuz“

„Burgunderkreuz“

Gareth Pugh „kokettierte“ mit Kreuz-Design in seine Winter/Herbst 2015 Kollektion:

Das Bedürfnis nach einer einheitlichen Uniform für das jeweilige Heer wurde jedoch erst während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) so groß, dass nach und nach bestimmte Arten von Uniformen samt Abzeichen entstanden. Dies sorgte für ein einigermaßen einheitliches Erscheinungsbild und gilt somit als “Geburtsstunde” moderner Militär-Uniformen.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg)

Die beeindruckendsten Militär-Uniformen gab es bei der französischen Armee und deren Verbündeten.

Nach der französischen Revolution und den darauffolgenden Kriegen wurde die Militär-Uniformierung deutlich vereinfacht, da die Anzahl der Soldaten pro Armee immer größer und die Herstellung bzw. Versorgung einer Armee damit immer kostspieliger wurde.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Revolution)

Bei den modernen Militär-Uniformen stehen Funktionalität und Bequemlichkeit im Vordergrund.

Es gibt allerdings einige wenige Nationen, welche aufwändige Uniformen für  Leibgarden einsetzen. Sie dienen jedoch ausschließlich der Erhaltung jahrhunderte alter Traditionen, wie etwa die Britische Palast-Garde oder die “Schweizergarde” im Vatikan.

Englische Palast-Wache

 

Schweizergarde im Vatikan

    1.3 Arten der Uniform

Eine Uniform, die sogenannte Garnitur, besteht aus mehreren Teilen:

  • Kopfbedeckung
  • Oberbekleidung
  • Beinkleid/Schuhwerk
  • Dienstgradabzeichen
  • ggf. aus Orden und Medaillen

 

Die Einsatz- bzw. Felduniformen haben folgende Ausführungen: eine tägliche Uniform und Spezial-Uniformen, je nach Einsatzgebiet (See, Wüste, Berge, Schneegebiete etc.), Einsatzaufgaben (technischer Dienst, Sanitär-Dienst, öffentlicher Dienst etc.) oder Tätigkeit (Panzerkombi, Fliegerkombi, Sportanzug etc).
Zusätzlich gibt es noch Uniformen für repräsentative Anlässe, wie Ausgehuniformen, Paradeuniformen oder Galauniformen.

II. Farben, Formen, Elemente

    2.1 typische Farbpalette

Obwohl jedes Land ihre eigene Uniform führt, kann man die militärische Streitkräfte, unabhängig von Zugehörigkeit zum jeweiligen Staat in drei großen Gruppen unterteilen:

  • Land
  • Wasser
  • Luft

Dementsprechend können wir auch grob typische Farben diesen drei Gruppen zuteilen. Zwar unterscheiden sich die Uniformen in Schnitt und Ausstattung oft komplett, dennoch sind sich die Militärs bei der Farbgestaltung für die jeweilige Truppengattung offenbar grenz-übergreifend einig!

Typisch für Infanterie und allgemein für Bodentruppen jeglicher Art sind folgende Farben:

  • Khaki
  • Sahara/Sand
  • Tannengrün

Typische Farben für die Marine sind:

 

  • Navy-Blau (marineblau)
  • Schwarz
  • Weiß
  • Andere Blautöne

Typische Farben für die Luftwaffe sind:

 

  • überwiegend Grautöne
  • eventuell Schwarz
  • Blautöne (überwiegend helle Töne)

Dazu kommt noch das sogenannte Camouflage-Muster. Es besteht aus scheinbar willkürlich zusammengesetzten Flecken der jeweils dazugehörigen Farbpalette. Camouflage wird überwiegend im Kampfeinsatz getragen und soll den Soldaten in der Umgebung des Feindgebiets tarnen bzw. mit der Natur “verschmelzen” lassen.

2.2 Kleidungsstücke und deren Einfluss in der Mode

Bestimmte Kleidungsstücke und Accessoires aus militärischer Verwendung haben sich längst in unserer alltäglichen Kleidung etabliert. Beispiele dafür sind:

  • Bomber- oder Flieger-Jacken
  • Parkas
  • Trenchcoats
  • T-Shirts
  • Gehröcke
  • Overalls (überwiegend in Berufsbekleidung)
  • Reithosen
  • Kargo-Hosen
  • Rucksäcke & Messenger
  • Reitstiefel & Boots
  • Scherpen & Halstücher etc.

(Geschichte des T-Shirts: http://www.printplanet.de/wissenswertes/textilien/t-shirts/geschichte-des-t-shirts.html

Unerhalsame Fakten: http://ganseforth-design.de/geschichte-des-t-shirts/

http://www.tagesspiegel.de/politik/geschichte/t-shirt-hemd-mit-aussage/1225364.html)

 

Manche Designelemente, die aus der Mode gar nicht weg zu denken sind, entsprangen ebenfalls der Militär-Kleidung, wie etwa:

2.3 Doloman-Jacke

Einem historischen Kleidungsstück aus dem Militär würde ich gerne etwas mehr Aufmerksamkeit schenken: die Doloman/Dolman, die Uniform-Jacke der Husaren. Immer wieder greifen High-Fashion-Designer auf dieses historisches Stück zurück und interpretieren es aufs neue, so wie in der aktuellen Balmain-Menswear-Kollektion von 2017.

Die Husaren waren eine Truppengattung leichter Kavallerie in Ungarn, Serbien, Kroatien und Rumänien im 15. Jahrhundert. Nach Vorbild dieser schnell agierenden Reiter wurden in Westeuropa erst  im 17. und 18. Jahrhundert reguläre Husaren-Regimente organisiert. Typisch wurde die aus der ungarischen Nationaltracht entwickelte Uniform, die verschnürte Jacken (anfänglich der kurze Dolman, ab Mitte des 19. Jahrhunderts der waffenrockartige Attila) sowie pelzbesetzte Überjacken (Mente), die im Sommer über die Schulter gehängt getragen wurden. Nicht nur die Abzeichenfarbe von Ärmelaufschlägen und Kragen, sondern auch die Grundfarbe der Uniform selbst (auch der Beinkleides) war in den meisten Ländern je nach Regiment zunächst unterschiedlich, wobei sich schlussendlich auch hier der Trend zur Vereinheitlichung zeigte.

Der Dolman war ursprünglich die Bezeichnung für einen ungarischen Männerrock. Die Jacken hatten 15 bis 18 Reihen aufgenähtes Posamenten-Band, die mit Metallknöpfen verschlossen waren und einen Dolman-Ärmel. Unter Dolman-Ärmel versteht man eine Kombination aus Raglanärmel und Kimono: einen breiten, in das Vorderteil eingeschobenen Ärmel, der oben kugelig, unten aber oval oder eckig geschnitten ist. Häufig werden zur Betonung der Form die Nähte zusätzlich abgesteppt. Durch eine leichte Drehung unterhalb der Schulter erhält der Ärmel seine originelle Form.

Die Dolman-Jacke ist eine der wichtigsten Quellen der Inspiration für den “Military Look”. Es ist schnell erkennbar, dass ein Designer durch sich ständig wiederholende und parallel zueinander verlaufende Elemente einem Kleidungsstück schnell den typischen militärischen Touch verleihen kann.

Es muss nicht unbedingt Posamentenborte oder Paspelierung sein, auch Ton-in-Ton umgesetzt, erkennt man schnell, um welchen Modestil es sich in diesem Fall handelt.